«E Stange bitte»

Beim ersten Einsteigen in die neuen Worbla-Züge stossen manche unserer Fahrgäste – wortwörtlich – erstmal auf eine Stange. Elegant aus gebürstetem Chromstahl gefertigt, unterteilt sie die Türen in einen grösseren und einen kleineren Einstiegsbereich. Der grössere Bereich ist breit genug für normale Kinderwagen und Rollstühle. Warum aber steht hier eine Stange mitten im Eintrittsbereich? Und warum gibt es diese nicht bei allen Einstiegen?

Der Grund lässt sich in einem langen Wort beschreiben: Fahrgastwechselzeit!

Schnellerer Fahrgastwechsel dank der Haltestange

Nun, die S7, auf der die Worbla-Züge hauptsächlich eingesetzt werden, ist die meistfrequentierte S-Bahnlinie im Kanton Bern. Insbesondere im unteren Worblental ähnelt der Verkehr auf der S7 eher einer Metrolinie, als einer regionalen S-Bahn: Die Züge verkehren teilweise im 7,5-Minuten-Takt, halten oft und es steigen viele Fahrgäste ein und aus. Darum ist die Zeit, welche für das Ein- und Aussteigen benötigt wird (der sogenannte «Fahrgastwechsel»), für die Gestaltung des Fahrplans wichtig: Je umständlicher das Ein- und Aussteigen geht und  je weniger Türen vorhanden sind, desto länger steht der Zug am Perron und desto länger sind die Reisezeiten.

Deshalb haben wir bei der S7 sehr viel Wert gelegt auf viele breite Türen, auf eine gute Übersichtlichkeit und genug Zirkulationsflächen im Zug. Und wie bereits  beim Mandarinli, der Seconda und dem NExT, also der gesamten RBS-Zugflotte, hat auch die Worbla sogenannte Doppeltüren – diese sind so dimensioniert, dass zwei Personen nebeneinander bequem ein- resp. aussteigen können.

Einsteigende Fahrgäste in Worbla mit Mittelstange

Die Chromstange im Eingang der Worbla dient dem schnelleren Fahrgastwechsel.

Auch in einem Massenverkehrsmittel wie der S-Bahn halten die Menschen gerne einen gewissen Abstand zueinander. Dies führt dazu, dass auch bei breiten Doppeltüren nicht nebeneinander, sondern versetzt nacheinander ein- und ausgestiegen wird: Achten Sie einmal darauf, wenn Sie in einen Bus ein- oder aussteigen, der keine Mittelstange hat. Immer wieder steigt eine Person nach der anderen aus. Dagegen hilft diese Stange: Sie unterteilt die Doppeltüre in zwei Hälften und sorgt so dafür, dass zwei Personen gleichzeitig ein- resp. aussteigen. Mit diesem einfachen Trick können wir also den Fahrgastwechsel beschleunigen und die Fahrgastwechselzeit reduzieren.

Fahrgast schaut aus den Worbla-Türen.

Die Stange in der Worbla ist auch eine praktische Möglichkeit, sich im Zug festzuhalten.

Warum gibt es bei den Worblas nun aber trotzdem zwei Einstige ohne diese Stange? Hier war für uns folgende Überlegung entscheidend: Obwohl bei der Worbla (und auch der Seconda und dem NExT) alle Türen auch von Fahrgästen im Rollstuhl oder mit einem Kinderwagen genutzt werden können, verlangt das Gesetz mindestens einen klar markierten Rollstuhleinstieg pro Zug. Die Worbla hat zwei solche Einstiege, jeweils in der Mitte des Zuges. Hier gibt jeweils einen ausgewiesenen Rollstuhlplatz und der Einstieg ohne Mittelstange gestattet es, auch weniger mobilen Rollstuhlfahrern oder Fahrgästen mit einem überbreiten Kinderwagen ohne fremde Hilfe in den Zug zu kommen.

Person steigt im Rollstuhl aus der Worbla.

Fahrgäste im Rollstuhl haben die Möglichkeit bei den entsprechend beschrifteten Eingängen ein- und auszusteigen.

Bei der Stange handelt es sich also nicht nur um eine Bieridee. Sie dient Ihnen dank dem schnelleren Fahrgastwechsel dafür, dass Sie schneller von A nach B kommen und zusätzlich haben Sie erst noch eine weitere Festhalte-Möglichkeit im Zug. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen weiterhin eine gute und sichere Fahrt in der Worbla.

Weiterführende Infos zum Reisen im Rollstuhl in der Worbla: https://rollstuhlblog.ch/reisen/viel-platz-fuer-rollstuehle-im-neuen-rbs-zug-worbla

13 Worblas im Betrieb

Mittlerweile sind bis zu 13 Worblas auf den Linien S7 und S9 unterwegs. Die Worbla Nr. 14 wird demnächst angeliefert und durchläuft die letzten Tests bei Stadler. Bevor die Worbla Nr. 14 mit Fahrgästen unterwegs ist, folgt die Inbetriebnahme. Denn anders als Autos, die hunderttausendfach am Fliessband hergestellt werden, sind unsere Worblas «Unikate». Von den Worblas werden gerade mal 14 Stück produziert. Während der Inbetriebnahme wird das Fahrzeug auf Herz und Nieren geprüft. Viele verschiedene Test- und Sicherheitsprüfungen durchläuft die Worbla während dieser Zeit. Die Worbla ist ein massgeschneidertes Fahrzeug, bei welchem entsprechend auch der Testaufwand erheblich grösser als bei einem Fahrzeug «von der Stange» ist.

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