Im Rahmen des Bauprojekts Umfahrung Boll-Sinneringen hat der RBS den Bahnhof Boll-Utzigen und das Bahntrassee nach Süden verlegt und dadurch einen komplett neuen Bahnhof gebaut. Mit der Verlegung der Strecke konnten mehrere gefährliche Bahnübergänge im Dorf aufgehoben werden.

Der neue Bahnhof Boll-Utzigen wurde nach rund einjähriger Bauzeit am 5. Oktober 2020 in Betrieb genommen.

Der neue Bahnhof

Der neue Bahnhof verfügt über zwei je 130 Meter lange Perrons und einen mit Barriere gesicherten Zugang. Eine dynamische, geschwungene Holzkonstruktion dient als Perrondach. Das hölzerne Dach überspannt das Perron Richtung Bern, die Bushaltekante und die Bike&Rail-Anlage. Der Umsteigeweg von Zug zu Bus ist damit sehr kurz gehalten, dank dem langen Perrondach ist das Umsteigen vor Regen und Schnee geschützt möglich. Augenfällig sind auch die beiden neuen Wartehäuschen, welche dekorativ mit Flurnamen der Gemeinde Vechigen versehen sind.

Die Zufahrt der Busse erfolgt über die verlängerte Schlossstrasse, die Wegfahrt über die Verlängerung der heutigen Bahnhofstrasse.

Umfahrung Boll-Sinneringen

Bis ca. Mai 2021 erfolgen noch die Rückbauarbeiten beim alten Bahnhof, die Fertigstellung der Erschliessungsstrassen, sowie die Verbreiterung der Bernstrasse und der Neubau des neuen Kreisels an der Schlossstrasse durch die Gemeinde Vechigen.

Das Projekt «Umfahrung Boll-Sinneringen» mit dem neuen Bahnhof Boll-Utzigen ist ein Gemeinschaftsprojekt des RBS, der Gemeinde Vechigen und des Kantons Bern. Die Kosten von rund 25 Millionen Franken werden von den Projektpartnern anteilig übernommen.

Mehr Sicherheit: Dank der Verlegung des Bahntrassees nach Süden wurden in Boll drei Bahnübergänge mit Wechselblinkanlage und ohne Bahnschranken aufgehoben. Die neue Unterführung unter den Gleisanlagen in Boll stellt zudem die Verbindung Moosgasse via Schlossstrasse–Bahnhofplatz sicher.

Mehr Platz:  Der neue Bahnhof ist geräumiger und die breiteren Perrons bieten mehr Platz.

Kürzere Umsteigewege: Die neuen Halteorte der Busse und Postautos ermöglichen ein direktes Umsteigen von Tür zu Tür.

Verbesserte Verkehrssituation:  Die Bernstrasse wird zu Gunsten des Langsamverkehrs ausgebaut. Bei der neuen Zufahrt zum Bahnhof entsteht ein neuer Kreisel.

Hintergrund

Aktuell gibt es beim RBS noch Bahnübergänge mit Wechselblinkanlage und ohne Bahnschranken. Obwohl diese Bahnübergänge den Vorgaben des BAV (Bundesamt für Verkehr) entsprechen, gehören sie zu den gefährlichsten auf dem gesamten Netz des RBS. Drei dieser Übergänge befanden sich vor der Eröffnung des neuen Bahnhofs allein in Boll. Zudem entsprach die Parallelführung von Schiene und Strasse in einigen Abschnitten nicht mehr den heutigen gültigen Vorschriften. Aufgrund der engen Platzverhältnisse konnten die Niveauübergänge nur aufgehoben und die Trennung von Schiene und Strasse nur durch eine Verlegung der Bahn in Richtung Süden verbessert werden. Bereits 1912 wurde eine Umfahrungsvariante vorgeschlagen und vermutlich aus Kostengründen nicht realisiert. In den 1950er Jahren wurden Studien und Varianten erstellt. Der entsprechende Platz wurde bei der Ortsplanungsrevision 1985 – 1990 reserviert. 

Seit 2014 ist die Umfahrung Boll-Sinneringen Bestandteil eines entsprechenden Richtplans. Wegen vertieften technischen Abklärungen gab es im Projekt leichte Verzögerungen. Im Juni 2016 sagten die Stimmberechtigten der Gemeinde Vechigen Ja zum Kredit für die Erschliessung des Projekt „Kern Boll-Süd“ und machten damit auch den Weg frei für die Umfahrung Boll-Sinneringen und den neuen Bahnhof. Am 10. Mai 2019 wurde die Plangenehmigungsverfügung erteilt. Der Spatenstich am 26. Juni 2019 gab den Startschuss für die Bauarbeiten, die am 8. Juli 2019 gestartet sind. Die Arbeiten für die Inbetriebnahme des neuen Bahnhof Boll-Utzigen wurden per 5. Oktober 2020 abgeschlossen.