Elektrisch verbunden: Die Geschichte der Elektrischen Solothurn–Bern-Bahn (ESB)
Was als umkämpftes Bahnprojekt begann, wurde zu einer wegweisenden Verbindung und prägte die Entwicklung einer ganzen Region.
Bahnträume zwischen Solothurn und Bern
Bereits ab 1864 wurden erste Visionen für eine Bahnverbindung zwischen Solothurn und Bern entwickelt. Ab 1874 wurde an der Strecke von Solothurn Richtung Biberist gebaut. Nach dem Konkurs der Baugesellschaft im Herbst 1875 wurden die Arbeiten jedoch abgebrochen. (Heute wird dieser Streckenabschnitt von der BLS zwischen Biberist und Solothurn befahren.)
1899 reichte ein Initiativkomitee ein Konzessionsgesuch für eine Normalspurbahn von Solothurn nach Schönbühl ein. Diese sollte an die Strecke der Schweizerischen Centralbahn (ab 1902 SBB) nach Bern anschliessen.
Auch Bern plante eine Verbindung – jedoch als Schmalspurbahn über Zollikofen, Bätterkinden und Utzenstorf. Zwei verschiedene Konzepte trafen aufeinander.
Konflikt mit Gleisanschluss – zwei Projekte, ein Problem
1911 lagen zwei konkurrierende, finanzierte Projekte auf dem Tisch. Beide Strecken wiesen Überschneidungen auf, was die Situation eskalieren liess. Eine Entscheidung musste her – schnell.
Ein Kompromiss mit Zukunft – Bundesrat Forrer greift ein
Zwischen den beiden Parteien vermittelte Bundesrat Ludwig Forrer.
Dieser schlug eine elektrische Schmalspurbahn vor – von Solothurn über Biberist, Bätterkinden, Fraubrunnen, Grafenried und Jegenstorf bis nach Zollikofen. Dort bestand Anschluss an die Bern–Zollikofen-Bahn (BZB), was eine Weiterfahrt nach Bern ermöglichte.
Start trotz Kriegszeiten – Die Bauphase und erste Fahrten
Der Bau begann im Juni 1913, verzögerte sich aber durch den Ersten Weltkrieg.
Am 9. April 1916 wurde die Bahn feierlich eröffnet. Tags darauf startete der reguläre Betrieb zwischen Solothurn und Zollikofen.
Die schnellste Verbindung nach Bern – mit Umsteigen – dauerte 67 Minuten.
Endlich direkt nach Bern – Durchbruch im Jahr 1924
1922 fusionierten ESB und BZB zur Solothurn–Zollikofen–Bern-Bahn (SZB).
Nach umfangreichen Arbeiten – unter anderem der Bau einer neuen Linie von Zollikofen nach Worblaufen – war ab dem 1. Oktober 1924 eine durchgehende Verbindung von Solothurn nach Bernohne Umsteigen in Zollikofen möglich.
Ein Bahnprojekt mit Weitblick – Technische Vorteile von Anfang an
Die späte Umsetzung brachte moderne Lösungen:
- Die Strecke war von Anfang an elektrisch betrieben.
- Ein eigenes Trassee sorgte für einen störungsfreien Betrieb.
- Die Schmalspur ermöglichte eine ortsnahe Linienführung.
Diese Nähe zu den Gemeinden sichert bis heute kurze Wege, auch wenn spätere Ausbauten dadurch anspruchsvoller sind.