Eintreten statt einsteigen - 25 Jahre Niederflur beim RBS

Vor 25 Jahren, am 26. Februar 1992, wurde der erste von elf Niederflurzügen der Öffentlichkeit vorgestellt. Heute verkehren die Be 4/12, 62-72, oder «Seconda» (vor der Generalüberholung «La Prima» genannt) hauptsächlich auf den Linien S8 & S9. 

Die NZZ am 27. Februar 1992 über die Einführung der neuen Züge:

NZZ 27.02.1992 - Niederflureinstieg RBS

Mobilität für alle

Was 1992 begann, geht bis heute weiter. Mit Erhöhungen der Perrons und Anpassungen am Rollmaterial (nach 1992 folgten 2001/2002 die Niederflur-Mittelwagen beim «Mandarinli») arbeiten wir mittlerweile seit 25 Jahren an der Mobilität für alle. Sei es mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Einkaufswägeli. Der RBS war damit die erste Bahn der Schweiz mit mindestens einem rollstuhlgängigem Einstieg in jedem Zug.

Die neusten Fahrzeuge des RBS, der NExT, sind ebenfalls durchgängig niederflurig und auch «die neue S7», welche ab 2018 auf der Linie S7 eingesetzt werden soll, wird an jedem Einstieg niederflurig sein. 

Die Schweizerische Depeschenagentur am 26. Februar 1992:

Niederflur-Pendelzüge für RBS, WSB und BD. Bitte eintreten statt bitte einsteigen.

Altenrhein, 26. Feb. (sda) Für die Schweizer Privatbahnen hat das Niederflur-Zeitalter begonnen: Der erste von 23 bestellten Triebzügen der drei Regionalbahnen Bern-Solothurn RBS , Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) sowie der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BD) ist am Mittwoch der Presse vorgestellt worden. Durch die Sammelbestellung konnten die Bahnunternehmen rund 15 Prozent der Kosten sparen, was etwa 20 Millionen Franken entspricht.

Da die drei Bahnen über keine identischen Rahmenbedingungen verfügen, mussten sie sich mit der Herstellerin, der Schindler Waggon, auf ein Konzept einigen. Die Kosten pro Komposition belaufen sich auf rund 5 Millionen Franken. Die elf vom RBS sowie sieben von der WSB bestellten Kompositionen sind je rund 40 Meter lang und bieten je 120 Sitzplätze. Ihrer engen Kurvenradien wegen erhält die BD verkürzte Triebzüge mit je 104 Sitzplätzen.

Ruckfreies Anfahren und Bremsen

Das Baukastensystem erlaube es, für jede Bahn ohne grossen Aufwand den gewünschten Fahrzeugtyp zusammenzustellen. Der Boden ist beim Einsteigen und im Mittelteil auf 39 Zentimeter über den Schienen abgesenkt und erlaubt ein müheloses Eintreten. Spezielle Motoren und Technik erlauben ein ruckfreies Anfahren und das hydraulische Bremssystem ermöglicht einen dosierten Bremsvorgang. Peter Scheidegger, Direktor des RBS wies speziell auf die Rückspeisemöglichkeit in die Fahrleitung beim Bremsen hin.

Die elektrischen Schwenkschiebetüren machen den Einsatz grosser Kompressoren überflüssig. Auch an den Komfort im Führerstand wurde gedacht: Der Stand aus faserverstärktem Kunststoff und Hartschaum wird vormontiert, kurz vor der Fertigstellung auf das Fahrzeug aufgesetzt und mit dem Wagenkasten verklebt. Diese Technik werde "dem Führerstand als modernem Arbeitsplatz" gerecht, betonte BD- Direktor Wilfried Fink.

Langfristig kostengünstig

In den neuen Zügen wird die Geschwindigkeit nur mit einem einzigen Hebel reguliert; die Zahl der Anzeigeinstrumente wurde auf ein Minimum beschränkt. In Anschaffung und im Unterhalt handle es sich - gemessen an der Transportkapazität - um langfristig kostengünstige Fahrzeuge, meinte Scheidegger. Er erläuterte, dass beim RBS das Hauptproblem an der mangelnden Kapazität liege.

Im Mai dieses Jahres wird dem RBS der erste Waggon übergeben, der vorerst auf Versuchs- und Einstellfahrten eingesetzt wird. Kinderkrankheiten seien nicht ausgeschlossen, erklärte Scheidegger. Acht Fahrzeuge würden dann im Spätherbst und drei reine 2. Klass- Wagen im Frühling 1993 geliefert. Sie werden die 40 Jahre alte Wagen ersetzen. Wenn die bei Bund und Kanton beantragten Kredite bewilligt würden, könnten acht Drei-Wagen-Einheiten im Eilzugsverkehr Bern- Solothurn ab Fahrplanwechsel 1995 eingesetzt werde

Einige Bilder aus den Anfangsjahren der La Prima: 

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niederflur barrierefreiheit jubiläum rbs 25jahre
4 Kommentare

Kommentare

27. Februar 2017
Christophe Röthlisberger

Ein toller Bericht zum 25-jährigen Bestehen der Secondas (Primeli).
Erstaunlich ist, dass bei vielen Fahrgästen diese Generation von Rollmaterial immer noch als «modern» wahrgenommen wird. An die Kinderkrankheiten kann ich mich noch erinnern. Da gab es ab und zu eine Zwangsbremsung.

18. März 2017
Christophe Röthlisberger

Die Seconda Be 4/12 72 hat über 3 Mio. Kilometer auf dem Tacho! Und läuft und läuft und.... :-)

28. März 2017

Ganz genau, weitere Kilometer-Millionäre hier: https://www.rbs.ch/blog/kilometer-millionaere 

27. April 2017
Dominik Hunn

Genau, ich bin mit diesen Triebwagen aufgewachsen und nehme sie noch immer nicht als veraltet wahr. Im Gegenteil, ich finde sie schöner anzusehen und angenehmer als Fahrgast im Vergleich zum heutigen Stadler-Schüttelbecher-Einheitsbrei. Mittlerweile haben sie ja auch bei der WSB Klima, 1. Klasse, Bildschirme und weiteren Schnickschnack erhalten. Dass die BD den gleichen Typ auch hatte, wusste ich; vom RBS bis jetzt noch nicht. Danke für den aufschlussreichen Eintrag mit den zeitgenössischen Berichten und auf viele weitere Jahre mit diesem Rollmaterialtyp!

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