Freie Bahn für Amphibien!

Als Nachhaltigkeitsverantwortliche beim RBS habe ich meine Masterarbeit über «amphibienfreundliche Kabelkanäle» verfasst. Zugegeben, das tönt irgendwie etwas abgehoben. Aber eigentlich geht es um ein ganz fundamentales Thema: Um die Erhaltung der Artenvielfalt. Um die Biodiversität – das natürliche Erbe, welches wir zukünftigen Generationen als Vermächtnis hinterlassen. Die Schweiz ist dicht bebaut – insbesondere im Mittelland. Die zunehmende Besiedlung, aber auch grosse Eingriffe wie Gewässerkorrekturen und die dicht vernetzten Verkehrswege bedrohen die natürlichen Lebensräume von heimischen Tieren und Pflanzen. Wandernde Tiere haben es besonders schwer: Auf der Suche nach neuen Gebieten oder auf dem Weg zu ihren Geburtsorten, wo sie wiederum für ihren Nachwuchs sorgen, müssen sie eine Vielzahl von gefährlichen, oft tödlichen Hindernissen überwinden (darauf weist auch die aktuelle Kampagne von Pro Natura hin). Dies gilt insbesondere auch für Amphibien.

Bergmolch Mesotriton alpestris (Copyright: Andreas Meyer, Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz)

Bergmolch Mesotriton alpestris (Copyright: Andreas Meyer, Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz)

Grasfrosch Rana temporaria (Copyright: Andreas Meyer, Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz)

Grasfrosch Rana temporaria (Copyright: Andreas Meyer, Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz)

Erdkröte Bufo bufo (Copyright: Andreas Meyer, Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz)

Erdkröte Bufo bufo (Copyright: Andreas Meyer, Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz)

Viele Frösche und Kröten wandern im Frühjahr zu ihren Laichplätzen. Auf diesem Weg stossen sie auf kleine und grosse Hindernisse. Eines davon sind Bahnlinien. Ein Überwinden der Bahntrassees scheitert oft schon am zu hohen Kabelkanal, welcher parallel zu den Gleisen verläuft und diverse elektrische Leitungen für den Bahnbetrieb enthält.

Kabelkanal bei Jegenstorf

Kabelkanal bei Jegenstorf

Amphibienfreundliche Kabelkanäle

Viele Amphibienarten sind heute stark bedroht, einige bereits ausgestorben. Deshalb müssen wir auch bei Bahnlinien dafür sorgen, dass die Tiere die Hindernisse, namentlich die Kabelkanäle, ungehindert überwinden können. Zur Überwindung der Hindernisse gibt es bereits verschiedene Lösungsansätze, etwa Querungen unterhalb des Bahntrasses (kleine Tunnels). Alle haben sie eines gemeinsam: Sie sind aufwendig in der Planung, beim Bauen und beim Unterhalt und damit zu teuer. Ziel meiner, vom RBS unterstützten Masterarbeit im Rahmen des MAS-Studiums „Umweltmanagement – und technik» war es, eine neue Form einer Querungshilfe für Amphibien zu entwickeln und zu testen. Sie sollte kostengünstig, flexibel und mit kleinem Aufwand anwendbar sein. Die Querungshilfe soll die Wanderung von Amphibien unterstützen und dazu beitragen, dass sich die Tiere an neuen Orten ansiedeln und ihre Population aufbauen können. Um seine Verantwortung wahrzunehmen, hat der RBS als Teil einer interdisziplinären Projektgruppe bei der Entwicklung einer solchen Querungshilfe massgeblich mitgeholfen. Mit von der Partie waren ebenso B+S AG (Planer- und Ingenieurdienstleistungen), Creabeton Matériaux AG, Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz und das Bundesamt für Umwelt BAFU.

Rampen als neuer Lösungsansatz

Amphibienrampe

Die im Rahmen der Masterarbeit neu entwickelte Amphibienrampe besticht durch ihre Einfachheit: Sie kann überall und ohne Eingriff in die Bausubstanz in bereits bestehende Kabelkanäle integriert werden. Die Rampe besteht aus einem Betonelement und einer Metallklammer. Mit einem Gewicht von 23 Kilogramm kann sie ohne grossen Aufwand ein- und ausgebaut werden. Dies haben Tests auf verschiedenen Streckenabschnitten gezeigt. Für die Amphibien können allerdings nebst dem Kabelkanal auch die Schienen selber zu einem Hindernis werden. Deshalb muss der Abstand zwischen Schiene und Schotter punktuell so vergrössert werden, dass die Amphiben unterhalb der Schiene durchschlüpfen können. Am besten wird dazu von Hand Schotter entfernt. Auch hier sind nur mässige Eingriffe in die bestehende Anlage erforderlich.

Ob die Tiere die Rampe auch annehmen, muss in einem weiteren Schritt getestet werden. Denn der RBS verfügt an seinem Streckennetz über kein bekanntes Amphibien-Wandergebiet. Falls auch ein solcher Feldtest erfolgreich verläuft, kann die Amphibienrampe als neues Standardprodukt für Bahnunternehmen angeboten werden.

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nachhaltigkeitKabelkanalBiodiversitätWildtiere
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2 Kommentare

Kommentare

27. Juni 2017
Lorena

Wo werden die denn jetzt platziert?

27. Juni 2017
Gast

Hi Lorena, 
Wir haben an unserem Streckennetz kein Amphibien-Wandergebiet. Wir sind aber in Kontakt mit anderen Bahnunternehmen, um die Rampen weiter zu testen.

Siehe letzter Abschnitt: "Ob die Tiere die Rampe auch annehmen, muss in einem weiteren Schritt getestet werden. Denn der RBS verfügt an seinem Streckennetz über kein bekanntes Amphibien-Wandergebiet. Falls auch ein solcher Feldtest erfolgreich verläuft, kann die Amphibienrampe als neues Standardprodukt für Bahnunternehmen angeboten werden."