Eine clevere Fahrweise spart Treibstoff und Geld, das kennt man vom eigenen Auto. Aber Eco-Drive bei der Bahn? Geht das überhaupt, wenn der Fahrplan minutenscharf festgelegt und die Geschwindigkeit auf allen Streckenabschnitten klar definiert ist?

Der Vorteil: Eine eigene Ausbildung

Diese Frage muss geklärt werden, und zwar mit einem Besuch bei Beat Indermühle, Lokführer-Ausbildner beim RBS. Ja, auch ein Lokführer oder eine Lokführerin kann und sollte nach Eco-Drive-Regeln fahren, wird mir bestätigt. Das heisst: Am Anfang zügig beschleunigen und dann vorausschauend und nur so schnell wie nötig fahren. Auch Steigungen und Gefälle müssen in die Fahrweise einbezogen werden. Dabei hat der RBS einen grossen Vorteil: Der RBS bildet seine Lokführerinnen und –führer selber aus. Dadurch kennen die Fahrerinnen und Fahrer das Streckennetz von Anfang an bestens. Der RBS verbraucht pro Jahr rund 17 Gigawattstunden Strom nur für die Fahrleistung der Züge (sog. Traktionsstrom). Die Einhaltung des Fahrplanes hat Priorität. Doch innerhalb dieses Rahmens können und sollen unsere Lokführerinnen und Lokführer energieeffizient fahren. Wie das gehen könnte, veranschaulicht ein Streckenabschnitt auf der Linie S7, die Steigung zwischen Stettlen und Boll-Utzigen: Anstatt mit voller Kraft bis zum obersten Punkt auf dem Hügel zu fahren und oben abzubremsen, ist es effektiver, mit möglichst wenig Schub den Scheitelpunkt zu erreichen und danach beim Hinunterfahren ohne Stromverbrauch zu beschleunigen. Der Zeitverlust beträgt dabei nur einige wenige Sekunden, der Energiebedarf hingegen kann, bei rund 1 200 Zügen pro Woche auf dieser Strecke, substantiell verringert werden.

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Energieeffizienz

Energieeffizienz ist für unsere Lokführerinnen und Lokführern seit langem ein Thema. Trotzdem wird in Zukunft noch vermehrt darüber diskutiert werden und die Schulungen werden ausgebaut. Beat Indermühle zeigt mir die neuste Schulungsmöglichkeit: Auf dem Fahrsimulator, auf welchem sowohl angehende wie auch bereits ausgebildete Lokführerinnen und Lokführer ihre Lern- und Testfahrten machen, können alle RBS-Strecken «virtuell» gefahren werden. Dabei wird neu auch der Energieverbrauch direkt ausgewiesen. Jeder Streckenabschnitt kann also mit verschiedenen Fahrweisen gefahren werden, und dabei lernen die Lokführerinnen und –führer, wie sie am sparsamsten fahren können.

Auch für die Fahrgäste am angenehmsten

Und wie hoch ist das Einsparpotenzial überhaupt? Dazu kann Beat Indermühle noch nichts Genaues sagen. Denn das Programm auf dem Fahrsimulator ist neu und die intensive Schulung, insbesondere des angehenden Fahrpersonals, wird erst an die Hand genommen. Sicher ist: Energieeffizientes Fahren ist ein «muss» beim RBS, denn so kann nicht nur Strom gespart, sondern es können auch Kosten gesenkt werden. Und: Auch für die Fahrgäste ist diese Art des möglichst ausgeglichenen Fahrens am angenehmsten.

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2 Kommentare

Kommentare

17. Mai 2017
Schüpbach Ulrich

Guten Tag,
möchte mal darauf hinweisen das eure Technik punkto Bremsverhalten einen Rückschritt gemacht hat oder liegt es an der Bremsbedienung?
Seit ca.Mitte Jan.2017 wird meistens mit Quietschenden Bremsen angehalten,
es gibt Ausnahme Lokführer die ohne den höllischen Lärm anhalten können.
Vermutlich fehlt es an der Ausbildung vom neuen Fahrpersonal (richtige Bremsbedienung) oder habt Ihr mir ist Wuscht Personal angestellt.
Als Anwohner ist das nicht mehr auszuhalten Linie S7.

18. Mai 2017
Gast

Hallo Herr Schüpbach, 

Das der Lärm zugenommen hat, tut uns leid. Die Technik an den über 40-jährigen „Mandarinli“ hat zwar keinen Rückschritt gemacht, altert aber weiter. Die Ursachen für das Quietschen beim Bremsen sind vielfältig. Je nach Fahrzeug, Wetterlage oder Fahrstil ist das Geräusch mehr oder weniger laut. Dies haben wir in aufwendigen Messungen nachweisen können, ohne aber ein einfaches Erfolgsrezept gegen den Lärm zu finden. Einzig der häufigere Wechsel der Bremsbeläge hilft etwas. Da sind wir dran. Eine definitive Verbesserung können wir aber leider erst mit dem Ersatz der alten Fahrzeuge ab 2019 versprechen.

Keinesfalls kann aber die alleinige Schuld den Lokführerinnen und Lokführern zugewiesen werden, denen ist das (wie uns auch) weder Wurscht noch egal.