Das Fahrzeugkonzept für die neue S7

Ein wichtiges Projekt begleitet diesen Blog schon seit Anbeginn: Unsere neuen Fahrzeuge für die S7 (und die S9). Viele Ideen für diese neuen Züge wurden entwickelt und geprüft (wir haben hier und hier darüber berichtet). Unterdessen gibt es weitere Neuigkeiten zum Projekt: Einerseits zum Aussendesign der neuen Züge, anderseits – für den täglichen Betrieb mindestens so wichtig – zum so genannten Fahrzeuglayout.

 

Kein Standardzug, kein Nachbau

Bekanntlich können wir keinen Zug „ab Stange“ kaufen – anders als z.B. unsere normalspurigen Kollegen, die bei einer Beschaffung meist zwischen ähnlichen Zügen verschiedener Hersteller wählen können. Weil wir die Züge zudem nach Regeln des öffentlichen Beschaffungsrechts ausschreiben müssen, ist auch eine einfache Nachbestellung weiterer NExT-Züge nicht möglich. Gegen eine Nachbeschaffung weiterer NExT spricht zudem, dass diese für die S7 nur teilweise geeignet wären: Die S7 wird nie 120 km/h schnell sein müssen. Wir müssen für die S7 also einen neuen Zug konzipieren – dies macht die ganze Sache komplizierter und langwieriger. Aber auch um Einiges interessanter!
S7, Maquette, Visualisierung, Zug

Neu vierteilig mit viermal vier Doppeltüren

Mandarinli, Seconda und NExT – all unsere aktuellen Triebzüge bestehen aus drei rund 20 m langen Wagen, die jeweils zwei Doppeltüren pro Seite aufweisen. Diese Konfiguration war 1973/74, als das Mandarinli auf die Schienen kam, in der Schweiz ein echtes Novum. Die Mandarinli gelten deshalb auch als die ersten S-Bahn-Triebzüge der Schweiz: Die gut verteilten Türen ermöglichen ein rasches Ein- und Aussteigen und damit auch sehr kurze Haltezeiten auf den Unterwegsbahnhöfen von im Durchschnitt nur 20 Sekunden.

Zum nun anstehenden Ersatz der Mandarinli haben wir nicht nur Eure Meinung (resp. die unserer Fahrgäste) abzufragen versucht. Natürlich haben wir auch unsere Erfahrungen aus dem Betrieb berücksichtigt um die künftigen Anforderungen so gut wie möglich abzuschätzen. Dabei erwarten wir v.a. zwei für das Fahrzeuglayout wichtige Trends:

  • S7 und S9 entwickeln sich je länger je mehr zu einer Art Metro. Noch mehr Ein- und Aussteiger pro Zug und noch mehr Fahrgäste, die für die kurze Fahrt lieber nahe bei den Türen einen Stehplatz wählen, als sich im Abteil einen Sitzplatz zu suchen.
  • Die immer besseren Einstiegsverhältnisse im gesamten Schweizer öV führen auch dazu, dass die Zahl mobilitätseingeschränkter Fahrgäste im öV steigt. Zu diesen Fahrgästen zählen nicht nur Rollstuhlfahrer oder Personen mit Rollator; auch Eltern mit Kinderwagen oder Passagiere mit Rollkoffer etc. verlangsamen den Ein- und Ausstiegsprozess an den Stationen.

Damit wir trotz mehr und tendenziell „langsameren“ Fahrgästen die Haltezeiten auf der S7 nicht verlängern müssen, bekommen die neuen Züge noch mehr Türen. Da diese Türen über die gesamte Zugslänge möglichst gleichmässig verteilt werden und alle Türen einen niederflurigen Einstieg ermöglichen müssen, haben wir uns für einen vierteiligen Gliederzug mit acht Doppeltüren auf jeder Seite entschieden.

 

Unsere neue S7: Bessere Zugänglichkeit dank acht Doppeltüren pro Seite.

S7, Maquette, Visualisierung, Zug, Orange

Das neue Gesicht

Von grossem Interesse sind immer Fragen rund um das Design und insbesondere rund um die Fahrzeugfront: Die Kopfform des neuen Zuges ist schliesslich das neue Gesicht der S7! Die Mandarinli sind mit ihren runden Formen und der freundlichen Front ein sehr markantes „Gesicht“. Für unseren neuen Zug ist dieser „S-Bahn-Klassiker“ somit auch eine gewisse Verpflichtung. Wir haben deshalb vom international tätigen Bahndesign-Büro TRICON mehrere Kopfformen entwerfen und schrittweise entwickeln lassen: Das Resultat dieses Prozesses ist ein sehr einfaches, funktionales Design, das aber auch viele Anknüpfungspunkte zu den bestehenden RBS-Zügen zeigt. Die abgebildeten Darstellungen sind zusammen mit Vorgaben zum Innendesign Bestandteil der Ausschreibung. Dass die Visualisierungen dabei „nur“ Entwürfe sind, versteht sich von selbst – das „millimetergenaue“ Design wird erst bei der Konstruktion der Züge mit dem Hersteller entwickelt.

S7, Maquette, Visualisierung, Zug, Orange
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25 Kommentare

Kommentare

01. November 2016
Gast

Die neuen Züge erinnern stark an einen U-Bahn-Zug einer Metropole, für mich nebst dem neuen Tief-Bahnhof in Bern ein weiterer Schritt in die richtige Richtung für Bern! Jetzt fehlt nur noch die Verlängerung der RBS nach Köniz und die Umbenennung der S9 und S7 auf U9 und U7 ;)

23. Juni 2015
E. Spronk

Die sehen richtig sehr schön aus! Pfersechli als Nickname?

23. Juni 2015
Urs Müller

Klimatisierter Führerstand mit Kameras statt Rückspiegel. Werden die Lokführer und Lokführerinnen sicher schätzen :-)

23. Juni 2015
Christophe Röthlisberger

4you! So könnte der neue Triebzug heissen. Warum? Es ist die vierte Generation (nach Mandarinli, Seconda und NExT) S-Bahn beim RBS und der neue Zug hat vier Wagenkästen. Zudem wurde der Zug per Social Media mitgestaltet und hier ist das Resultat. 4you!

24. Juni 2015
Gast

Wird dieser Zug von Stadler hergestellt?

24. Juni 2015
Gast

Warum sind die Wagenkasten nicht gleich so lang wie bei der next?

24. Juni 2015
Franz Kissling

sieht schön aus - erinnert mich bei der Kopfform ein bisschen an das Tram von Marseille. Handelt es sich technisch um einen Meterspur-Flirt?     

24. Juni 2015
Gast

Bin gespannt wie der Scheibenwischer realisiert wird bei dieser runden Scheibe     

24. Juni 2015
H.U. Luder

Bitte, bitte, bitte, lassen Sie die neue S7 dann nicht wieder zur Schmuddelbahn verkommen. Nicht alle Fahrgäste, welche stehen, tun dies weil sie rasch wieder aussteigen möchten !

23. Juni 2015
Ulrich Reinert

Hallo zusammen - hier in Kürze die Antworten auf Eure Fragen! @Urs: Der Führerstand wird natürlich zusammen mit unseren Lokführern und Lokführerinnen konzipiert - immerhin ist es ja ihr Arbeitsplatz! Dies erfolgt im Detail aber erst während der eigentlichen Konstruktionsphase - die Visualisierungen zeigen hier ja nur die Aussenhülle... Klimatisiert werden dürften die Führerstände aber sicher. @ Gast: Wer den Zug für uns baut, ist derzeit noch nicht bekannt und wird im Rahmen der im Herbst vorgesehenen Ausschreibung bestimmt. Der Zug wird wie der NExT 60 m lang, die Wagenkästen sind aber kürzer, weil es sich um einen Gliederzug handelt (ähnlich NINA oder Flirt). @ Franz: Wer der Hersteller sein wird, ist noch offen. Der Zug wird fünf Drehgestelle haben, der Antrieb wird vs. in den beiden äusseren stecken.

25. Juni 2015
Ein Leser

An die Fragensteller mit den Fragen "Warum sind die Wagenkasten nicht gleich so lang wie bei der next?" und "Wird dieser Zug von Stadler hergestellt?": Lesen Sie doch bitte den ganzen Artikel. Dort finden sich alle Antworten. Wer lesen kann, ist im Vorteil ;-)

25. Juni 2015
Christophe Röthlisberger

Die Frage stellt sich, ob es Sinnvoll ist zwei identische Triebwagen mit je einem angetrieben Drehgestell zu haben. Bei schlechten Schienenverhältnisse könnte ein schwerer Triebwagen (Motoren, Batterien, Technik) an der einen Seite des Zuges mit zwei angetrieben Drehgestelle (wie beim Mandarinli) die bessere Adhäsion bringen. Und auf der anderen Seite nur ein Steuerwagen. Auch der Unterhalt könnte dadurch einfacher sein. Die Secondas mit zwei identischen Triebwagen haben (anscheinend) ihre Mühe mit rutschigen Schienen. Oder was spricht dagegen?

25. Juni 2015
Chr. Ramseyer

Für den Fahrgast steht die Aussenansicht nicht im Vordergrund. Wichtig wird sein, wie das Innere aussehen wird, wieviele Sitzplätze es haben wird etc.

29. Juni 2015
Jörg

An Hitzetagen wie Heute wären alle nur froh wenn die ganze Sache weniger kompliziert und langwierig sondern einfach nur deutlich schneller vorwärtsgehen würde! Hilfe wir leiden sehr auf der S7!

02. Juli 2015
Jörg

"Sauna, Backofen, Schwitzhütte. Wie nennt ihr das Mandarinli in diesen Tagen? Die Beschaffung der neuen S7 läuft, in drei Jahren kommen die ersten neuen Züge - mit Klimaanlage. Machen wir bis dahin das Beste draus!" ... und was ist das Beste? Die nicht zu öffnenden Scheiben einschlagen oder doch besser das Auto mit Klimaanlage zu nehmen?

07. Juli 2015

Die Beschaffung läuft. Derzeit wird die Ausschreibung finalisiert. Viel schneller geht es nicht, wenn es ein Zug werden soll, der auch für die nächsten 40 Jahre effizient und komfortabel im Worblental fahren soll. Warum die Secondas nicht immer oder abwechselnd auf der S7 eingesetzt werden, steht ausführlich hier: http://www.rbs.ch/blog/dr-schn-llscht-w-g-worb

27. Juli 2015
Gast

Beim Design der Fronten scheine die Verantwortlichen des RBS einen eigenartigen Geschmack zu haben. Waren die Mandarinli und Primeli noch sehr ansehnlich, sind die Fronten der NExT-Fahrzeuge extrem hässlich. Und nun sollen also die neu zu beschaffenden Triebzüge ein an nostaligische Düwag-Trams erinnernde 'Gesichter' bekommen, vorne alles rund und absolut nicht passend zu den geraden Linien des restlichen Zuges. Einfach nur grauenhaft!

01. November 2015
UBahn für Bern

Die neuen Züge erinnern stark an einen U-Bahn-Zug einer Metropole, für mich nebst dem neuen Tief-Bahnhof in Bern ein weiterer Schritt in die richtige Richtung für Bern! Jetzt fehlt nur noch die Verlängerung der RBS nach Köniz und die Umbenennung der S9 und S7 auf U9 und U7 ;)

27. Mai 2017
Markus Herzog

Fenster vergrössern, Oberkante Fenster = Oberkante Türen:
- mehr Fensterfläche, heller
- ruhigeres Bild

18. Juni 2018
René

Es ist wieder Sommer und auch in den modernen NEXT ist es hinter den grossen Scheiben wie in einem Treibhaus. Die Klimaanlage kann direkt hinter den Scheiben nicht genug kühlen, sonst wäre der Luftzug zu stark. Bitte abgedunkelte Scheiben oder automatisch abdunkelbare Scheiben vorsehen. Hat auch den Vorteil, dass die Sonnen nicht so stark blendet. Eine Sonnenstore ist ja bei diesen Konstruktionen nicht mehr möglich, was ein echter Nachteil ist.
Nebenbei: Bitte nicht so eine laute Klimaanlage wie bei den NEXT einbauen. Klare Anforderung an den Hersteller.

18. Juni 2018
Rudolf Burgener

Was die rb allgemein in den letzten Jahren geleistet hatte, und das z. T. in kürzester Zeit, sei der "alte" Tiefbahnhof in Bern mit der Perronbeleuchtung, die (bereits in die Jahren gekommenen) Schleusen, die Neugestaltung und Perronanpassungen in Worblaufen und weiteren Stationen (Ittigen), kann ich nur den Hut "lüpfen" Chapeau!
Nun bin ich gespannt, sobald die neue S7, die Worbla 1 - 14 im Einsatz sind, vor allem dann im Sommer wo die Klimaanlage läuft.
In dieser Hinsicht freue ich mich nicht mehr im "Backofen" Bahn zu fahren müssen.
Also Vorwärz mit Worbla!

02. Juli 2018
Stefan Fahrni

Wer sich gerne ein Bild von den neuen Zügen der S7 und S9 resp. der "Worbla" machen möchte, findet in der Sendung "10VOR10" vom 02.07.2018 (SRF 1) mehrere Sequenzen wo verschiedene Wagenkästen in der Endmontage bei Stadler Rail in der Werkhalle zu sehen sind.

03. Juli 2018
Stefan Fahrni

Hier noch der Link zum oben erwähnten Beitrag über die neuen Züge für die S7 und S9 resp. "Worbla" in der Sendung "10VOR10", welcher gestern nach der Ausstrahlung noch nicht verfügbar war:

https://www.srf.ch/play/tv/10vor10/video/fokus-hoher-heikler-besuch?id=…

13. August 2018
Stefan Fahrni

In der Medienmitteilung des RBS vom 8. August 2018 - Link: https://www.rbs.ch/unternehmen/medien/medienmitteilungen/der-erste-von-… - hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Es ist bei der Überführungsfahrt von Rollböcken die Rede. Was jedoch allerdings auf dem Bild zu sehen ist, sind eindeutig sogenannte Normalspur-Rollschemel (Typ Uaikk des EVU CH-STAG ex. SBB) welche zum Transport von Schmalspurfahrzeugen eingesetzt werden. Der RBS hatte jahrelang auch solche Rollschemel allerdings in Schmalspur-Ausführung d.h. Spurweite 1'000 mm für die Beförderung von normalspurigen (= 1'435 mm) Güterwagen im Bestand. Heute sind diese teilweise ausrangiert und die letzten verbliebenen dienen noch dem Baudienst als Materialwagen (RBS-X 701 ff.).

Rollböcke hingegen sind allerdings wesentlich kürzer d.h. kompakter, eben nur kurze Böcke. Solche besitzt der RBS übrigens auch welche als Ua eingereiht sind und werden aktuell mit den von SBB Infrastruktur erworbenen X 901 bis 905 zusammen für Schotterzüge verwendet.

15. August 2018
Stefan Fahrni

Wer mehr über das Rollmaterial des RBS in Erfahrung bringen möchte, dem empfehle ich die von den Eisen Bahn Freunden (EBF) RBS herausgegebene Rollmaterialbroschüre. Diese kostete im August 2017 vor Ort in Bolligen CHF 25.00 und ist ihr Geld wert. Schade, dass die erwähnte Broschüre offenbar in der Medienabteilung beim RBS gänzlich fehlt ...